Nicht nur Privatanleger fragen sich in diesen Tagen, wie sie ihr Geld sicher und rentabel anlegen können. Auch viele institutionelle Anleger (Stiftungen, Versicherungen, Pensionskassen, etc.) und Betriebe stehen vor diesem Problem, denn sie sitzen auf randvoll gefüllten Kassen und haben zum Teil einen enormen Anlagenotstand, denn mit 1% Zins lassen sich ihre Verbindlichkeiten (etwa im Falle von Versicherungen) nicht finanzieren. Ist das die Stunde der Aktie?
Deutschland nach Rekordergebnis vor dem Knick?
Die Deutsche Industrie trumpfte 2011 mit einem Rekordergebnis auf: Waren im Wert von einer Billion Euro wurden ins Ausland exportiert. Eine Billion ist eine Zahl mit zwölf Nullen (100.000.000.000 €) und eine Größe, in welcher wir in Zukunft wohl vermehrt denken müssen, denn zur Bekämpfung der Schuldenkrise wurden schon mehrfach diese Summen aufgerufen. Notabene ohne der Lösung wirklich einen Schritt näher zu kommen.
Bleiben wir erst mal bei dieser einen Billion. Es ist ein absolutes Rekordergebnis, welches 2012 wahrscheinlich nicht zu erreichen ist – zumindest sagen dies die Pessimisten unter den Zukunftspropheten. Trotzdem legten die deutschen Aktienmärkte einen Traumstart ins neue Jahr hin, wie es in einem Januar überhaupt noch nie der Fall war. Wie kann das sein, wo die Börse doch in die (aktuell sorgenvolle) Zukunft blickt und betriebliche Gewinne vorausschauend in Börsengewinnen vorwegnimmt?
Start von tiefem Niveau, mit verlockenden Aussichten
Zum einen liegt das natürlich an einer Erwartung, welche außerhalb Europas tatsächlich positiv geprägt ist (Erwartung des weltweiten Wirtschaftswachstums: 3%) und zum andern an der sehr pessimistischen Grundhaltung im Herbst, die es zu korrigieren galt.
Vor allem dürfte es jedoch am Umstand liegen, dass ungemein viel Geld darauf wartet, investiert zu werden. Geld, welches aktuell kaum Alternativen zu Aktien findet und welches darum früher oder später diesen Weg nehmen wird und die Preise – liquiditätsbedingt – in die Höhe schnellen lässt. Womit wir wieder bei der Billion wären.
Im kommenden Monat legt die EZB im Rahmen des LTRO (Long Term Refinancing Operation) eine neue Tranche verbilligter Kredite zugunsten Europas Banken auf. Diese erhalten gegen „Sicherheiten“ Darlehen in unbeschränkter Höhe (bis zur Gesamtlimite von einer Billion) und zahlen dafür während den nächsten drei Jahre 1% Zins p.a.! Natürlich ist dieses Geld dazu gedacht, allfällige Liquiditätsengpässe auszugleichen, weil sich die Banken unter einander kein Geld mehr leihen mögen. Aber ein klein wenig werden die Währungswächter sich wohl auch gedacht haben, dieses Geld könnte dazu dienen, klammen Staaten aus ihrer Klemme zu helfen. Selber darf die EZB diesen ja eigentlich nichts geben – aber indirekt über die Geschäftsbanken natürlich schon. Erinnert etwas an verlogene amerikanische Moralvorstellungen, aber wenn kümmerts.
Ein Perpedum Mobile scheint plötzlich möglich...
Weshalb sollten aber die Banken das tun? Weil sie damit Renditen von rund 500% erzielen können, ohne damit spekulieren zu müssen. Es reicht sich Geld zu einem Prozent auszuleihen, um es gleich für 5-6% weiter zu reichen. Nicht übel könnte man meinen. Für Privatanleger und Versicherungsgesellschaften würde das wohl auch zutreffen, Banken haben allerdings einen ganz anderen Horizont. Mit den erhaltenen Staatsanleihen lässt sich nämlich vortrefflich neues Geld schöpfen, welches wiederum angelegt werden kann. Das wird dazu führen, dass dieses monetäre Perpedum mobile früher oder später auf eine gesättigte Nachfrage trifft und zusammen mit den aus dem Rentenmarkt verdrängten Geldern neue, noch lukrativere Spielwiesen finden wird: Aktien, Rohstoffe, Lebensmittel, etc.
Geld verdient nur, wer antizyklisch handelt
Der Anlagenotstand wird also umso größer, je mehr Kapital den Banken zur Verfügung steht. Dies ist einer der treibenden Gründen für die Marktchance der Aktien, obwohl die Aussichten keineswegs so positiv erscheinen wollen. Dies ist auch DER Grund, weshalb bei der TWC Consulting GmbH Aktien wieder übergewichtet werden.
Die meisten Privatanleger sehen das übrigens ganz anders: Sie verlassen Aktienfonds gegenwärtig in Scharen. Wohl aus Angst vor der Zukunft, wohl aber auch, weil sie froh sind ihre Verlust aus der jüngsten Vergangenheit ausgeglichen zu haben und nun nominal wieder ohne Verluste dazustehen. Sinkendes Vertrauen von deutschen Privatanlegern ist wiederum ein sicheres Indiz dafür, dass wir vor einer sehr lukrativen Anlagephase stehen könnten. Das beruht auf der Erfahrung, dass deutsche Privatanleger (vorsichtig ausgedrückt) dazu neigen zyklisch zu investieren: Kaufen wenn die Preise hoch sind und zu verkaufen, kurz bevor die Post abgeht.
Schade. Denn mit Aktien lassen sich die Verluste, welche wir als Bürger, als Steuerzahler und als Mitglied einer systematisch entwerteten Währungsgemeinschaft sehr gut ausgleichen. Allerdings nur, wenn wir drei Dinge beachten:
- Kaufen, wenn alle anderen verkaufen (siehe Warran Buffet), denn dann sind die Einkaufspreise tiefer.
- Verluste nichts aussitzen, sondern vermeiden.
- Verkaufen, wenn alle anderen kaufen, denn dann sind die Einkaufspreise am höchsten.
Aktien ja – aber nur unter Kontrolle!
Klingt einfach, bedeutet aber, dass man sich entweder ständig um seine Anlagen kümmert (nicht zu verwechseln mit traden), andere sich kümmern lassen muss oder Produkte erwirbt, welche dies mechanisch für einen erledigen. Alle drei Varianten sind möglich und besser, wie die Alternative: Zuzusehen, wie die EZB mit ihren LTRO Tricks dafür sorgt, dass sich das tatsächliche Volksvermögen immer mehr in den Händen von immer weniger Menschen befindet.
Sie können sich dieser Tatsache natürlich verweigern, weil Ihnen Aktien zu risikoreich sind. Bedenken Sie jedoch, was das konkret bedeutet: Sie tauschen das Risiko mit Aktien Gewinne oder Verluste zu machen, mit der Sicherheit das Ihr Geld ständig weniger wert wird und dass sie u.U. bei Banken-, Versicherungs- oder Staatspleiten am Ende trotzdem Geld verlieren.
Wenn Sie Fragen haben oder anderer Meinung sind, stehe ich Ihnen selbstverständlich wie immer gerne Rede und Antwort. Fragen kostet nichts.
Daniel S. Batt
Finanzplaner mit eidg. FA (FH)

